Chef und Mitarbeiter – eine Begegnung auf Augenhöhe

Seit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert war das Verhältnis Chef zwischen Chef und Mitarbeiter von Macht und Unterordnung geprägt.

Dieses Ungleichgewicht ist historisch gewachsen, war es doch vor 100 Jahren tatsächlich der Manager, der die Arbeitsabläufe und die übergeordneten Unternehmensziele am besten kannte. In der Gegenwart gilt ein autoritärer Führungsstil als antiquiert. In erfolgreichen Unternehmen begegnen sich Chef und Mitarbeiter auf Augenhöhe.

Fachkräftemangel führt zum Umdenken

Dass die Zeit autoritärer Patriarchen vorbei ist, zeigt sich in der Gegenwart am viel diskutierten Fachkräftemangel. Junge, hoch qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist für Unternehmen zu einem schwierigen Unterfangen geworden. Wer heute erfolgreich ein Studium oder eine Ausbildung abschließt oder über entsprechende Qualifikationen verfügt, kann sich den Arbeitgeber aussuchen. Hinzu kommt, dass die Millenium-Generation andere Prioritäten bei der Arbeitsplatzwahl setzt, als die Eltern-Generationen.

Die Nase vorn haben Firmen mit flachen Hierarchien, kurzen Entscheidungswegen, einem positiven Arbeitsklima und einer dem Zeitgeist entsprechenden Unternehmensphilosophie. Junge Mitarbeiter wollen keine Befehlsempfänger sein, sondern fordern ein Mitspracherecht ein. Ein Feedback zu bekommen ist für die Vertreter dieser Generation ebenso wichtig, wie die Möglichkeit, Kritik zu äußern und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Qualifizierte Fachkräfte verfügen in der Gegenwart über umfangreiches Wissen hinsichtlich der ausgeübten Tätigkeit. Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und erwarten, dass der Chef Vertrauen in ihre Fähigkeiten und ihre Leistungsfähigkeit setzt.

Demokratische Strukturen statt hierarchischer Führungsstil

Während sich generalistisch geführte Konzerne schwertun, einen Kurswechsel herbeizuführen und Hierarchien aufzubrechen, sind bei vielen Start-ups und Neugründungen demokratische Strukturen ein wesentlicher Teil der Unternehmensstrategie. Junge innovative Unternehmen fürchten nicht die übermächtige Konkurrenz der Großkonzerne. Vielmehr werden diese herausgefordert. Bevor in einem Konzern eine neue Strategie von der obersten Führungsebene abgesegnet wird, haben Start-ups mit flachen Hierarchien längst die lukrativsten Aufträge an Land gezogen.

Zwischen Chef und Mitarbeitern besteht ein Abhängigkeitsverhältnis, das dem eines Dirigenten zu seinem Orchester nicht ganz unähnlich ist. Ein gut ausgebildeter Mitarbeiter ist in der Gegenwart nicht mehr vom Goodwill des Vorgesetzten abhängig. Machtpositionen haben sich verschoben, das demokratische Prinzip in der modernen Mitarbeiterführung beruht auf Mitbestimmung. Nur Mitarbeiter, die sich mit der Unternehmensphilosophie identifizieren, selbst Verantwortung übernehmen und deren Wort und Meinung Wertschätzung in der Führungsetage erfahren, arbeiten motiviert und engagiert an der Erreichung der Unternehmensziele.

Kein Chef ist fehlerfrei

Die Begegnung zwischen Chef und Mitarbeiter auf Augenhöhe heißt auch, dass Führungskräfte zu ihren Fehlern stehen, wenn sie sie selbst zu verantworten haben. Die Schuld für ein gescheitertes Vorhaben den Angestellten in die Schuhe zu schieben, ist ein Zeichen von Schwäche und untergräbt nur die Autorität. Führungskräfte in einem modernen Unternehmen lassen Fehler zu und sprechen sie offensiv an. Dahinter steckt ein simpler Grundsatz: Der Chef lebt selber vor, welches Verhalten er von den Mitarbeitern erwartet. Denn mit dem Mitspracherecht und der Übernahme von Verantwortung stehen auch die Mitarbeiter in der Pflicht, zu ihren Fehlern zu stehen. Die Begegnung auf Augenhöhe ist keine Einbahnstraße in die eine oder andere Richtung, sondern die Zusammenarbeit erwachsener Menschen, die ein gemeinsames Ziel verbindet. Diese Denkweise bildet die Basis für ein partnerschaftliches Miteinander, in dem für einen patriarchalischen Führungsstil kein Platz mehr ist.